Die Servabo-Gedichtpostkarten

Restaurant
 
Der Herr drüben bestellt sich noch ein Bier,
das ist mir angenehm,
dann brauche ich mir keinen Vorwurf zu machen,
dass auch ich gelegentlich einen zische.
Man denkt immer gleich, man ist süchtig,
in einer amerikanischen Zeitung
las ich sogar,
jede Zigarette verkürzt das Leben
um sechsunddreissig Minuten,
das glaube ich nicht,
vermutlich steht die Coca-Cola-Industrie
oder eine Kaugummifabrik
hinter dem Artikel.
 
Gottfried Benn
 

Das ist die Ansicht von Herrn Benn -

wir dagegen äussern uns nicht zum

Thema „Rauchverbot in Gaststätten“!

 

 
Fröhlich vom Fleisch zu essen, das saftige Lendenstück
Und mit dem Roggenbrot, dem ausgebackenen, duftenden
Den Käse vom grossen Laib aus dem Krug
Das kalte Bier zu trinken, das wird
Niedrig gescholten, aber ich meine, in die Grube gelegt zu werden
Ohne einen Mundvoll guten Fleisches genossen zu haben
Ist unmenschlich, und das sage ich, der ich
Ein schlechter Esser bin.
 
Bertolt Brecht
 

z.B.: Rinderlende mit Rosmarin-Ofenkartoffeln

und gemischtem Salat.

 


 
Eben geht mit einem Teller
Witwe Bolte in den Keller,
Dass sie von dem Sauerkohle
Eine Portion sich hole -
Wofür sie besonders schwärmt,
Wenn er wieder aufgewärmt.
 
Wilhelm Busch

Damit können wir nicht

konkurrieren -

doch bei uns sind alle

Zutaten frisch!

 

 
O Herz, du wirst das Rätsel nicht entwirren,
die Einsicht der Wissenden wird dir verschlossen bleiben;
begnüge dich hier mit Wein und dem Becher der Seligkeit,
denn ob dich dort Seligkeit erwartet, ist ungewiss.
 
Omar Chajjam
 

Das Leben ist kurz -

verbringen Sie doch ab und zu einen

genussvollen Abend bei uns:

 

 
Das Schnabeltier, das Schnabeltier
vollzieht den Schritt
vom Ich zum Wir.
Es spricht nicht mehr
nur noch von sich,
es sagt nicht mehr:
„Dies Bier will ich!“
Es sagt: „Dies Bier,
das wollen Wir!“
Wir wollen es, das Schnabeltier!
 
Robert Gernhardt
 

Sie wollen Bier?

Das haben wir:

 

 
Solang man nüchtern ist,
gefällt das Schlechte;
wie man getrunken hat,
weiss man das Rechte.
 
Johann Wolfgang Goethe
 

Wenn Sie sich mal gepflegt

betrinken möchten:

 

 
Hat der alte Hexenmeister
Sich doch einmal wegbegeben!
Und nun sollen seine Geister
Auch nach meinem Willen leben.
Seine Wort und Werke
Merkt ich und den Brauch,
Und mit Geistesstärke
Tu ich Wunder auch.
 
J.W. Goethe
 

Nix da – Wir wissen ja wie sowas

enden kann!

Bei uns kocht nur der Chef:

 

 
Die ganze Welt verdient es nicht,
dass du dem Kummer hergibst
auch nur einen Augenblick;
verkaufe die Kutte für Wein,
besseren Erlös wird sie nicht finden!
 
Hafis
 

Tragen Sie Ihre letzten Groschen zu uns!

 

 
Brot ist der Erde Frucht,
doch ists vom Lichte gesegnet,
Und vom donnernden Gott
kommet die Freude des Weins,
Darum singen sie auch mit Ernst
die Sänger dem Weingott
Und nicht eitel erdacht
tönet dem Alten das Lob.
 
Friedrich Hölderlin
 

Wir achten unsere Zutaten:

 

 
Wie wäre es mit einem „Boretsch“?
 
Man nehme erstens circa sieben
Fein abgeschälte rote Rüben.
Dann hacke man den Weisskohl klein,
Tu Zwiebel, Salz und Essig rein.
Mit Hammelfleisch muss das nun kochen,
Auf kleiner Flamme, sieben Wochen.
Jetzt Kaviar und Wodka ran,
Nebst Zimt und frischem Thymian.
Nun schüttet man das Ganze aus,
Und isst am besten – ausser Haus.
 
Mascha Kaléko
 

Wie wäre es mit einer Pizza?

 

 
Vaterglückchen, Mutterschösschen,
Kinderstübchen, trautes Heim,
Knusperhexlein, Tantchen Röschen,
Kuchen schmeckt wie Fliegenleim.
 
Wenn ich in die Stube speie,
Lacht mein Bruder wie ein Schwein.
Wenn er lacht, haut meine Schwester.
Wenn sie haut, weint Mütterlein.
 
Wenn die weint, muss Vater fluchen.
Wenn er flucht, trinkt Tante Wein.
Trinkt sie Wein, schenkt sie mir Kuchen:
Wenn ich Kuchen kriege, muss ich spein.
 
Joachim Ringelnatz
 

Wenn’s zuhause mal nicht auszuhalten ist:

 

 
DAS SCHNITZEL
 
Ein Mensch, der sich ein Schnitzel briet
Bemerkte, dass ihm das missriet.
Jedoch, da er es selbst gebraten,
Tut er, als wär es ihm geraten,
Und, um sich nicht zu strafen Lügen,
Isst ers mit herzlichem Vergnügen.
 
Eugen Roth
 

Dagegen ist ja nichts zu sagen,

aber besser für den Magen:

 

 
Brüder, flieget von den Sitzen,
wenn der volle Römer kreist,
lasst den Schaum zum Himmel sprützen -
dieses Glas dem guten Geist!
 
Friedrich Schiller
 

Wenn Sie was zu feiern haben:

 

 
Godimento
 
Mi sento la febbre
di questa
piena di luce
 
Accolgo questa
giornata come
il frutto che si addolscice
 
Avrò
stanotte
un rimorso come un
latrato
perso nel
deserto
 
Guiseppe Ungaretti
 

Unsere Pizza ist ein Gedicht!

 

 
Die Gams erwacht im fremden Forst
und lag in einem Adlerhorst.
Sie sah sich um und sprach betroffen:
„Mein lieber Schwan! War ich besoffen!“
 
F.K. Waechter
 

Sowas kann ja mal passieren -

wir rufen Ihnen aber auch gern

ein Taxi:

 

 
EIN GLAS BIER
 
Hier in dieses Wäldchens Zier
denke ich an ein Glas Bier,
leise gehe ich dann weiter
wie auf einer dünnen Leiter.
Jugendschöne Mädchen ziehn
freundlich durch das Dickicht hin,
hin und wieder steh’ ich still,
weil mir solches passen will.
Das Glas Bier ist überwunden,
das mir hätte können munden.
 
Robert Walser
 

Lenken Sie Ihre Schritte doch zu uns: